Montag, 20. Mai 2013

Von Blumen, Bier und Parteitagen

Eigentlich wollten Herr S. und ich ja gestern ans Meer fahren. Vor allem deswegen, weil wir mal wieder wohin, woanders, eben weg fahren wollten, aber auch deswegen, weil die Wetter-App 22° C und Sonne vorausversprochen hat. Daraus wurden dann allerdings enteuphemisierte 15°C und Wolken. Also haben wir kurzerhand umgeplant - und sind in Bremen geblieben. Genauer gesagt im Rhododendronpark. Der an und für sich genommen wirklich hübsch ist. Nur konnten wir uns leider - gefangen in diversen Familien- und Rentnerrudeln - mitunter nur schwer davon überzeugen. Von Angesicht zu Angesicht einer 2-3 Meter hohen Rhododendron-Blüten-Mauer blieb uns dann aber schlussendlich gar nix anderes übrig. Praktisch. Denn: In dem Park gibt es „nahezu 600 Wildarten und über 3000 Züchtungen inkl. der zu den Rhododendron gehöhrenden Azaleen.“ Und Eis. Und Bratwurst. Und mit Sicherheit auch Bier.
Tja. In Sachen Bier habe ich übrigens, neuerdings einen recht ausgeprägten Regional-Fetisch namens Bayern entwickelt. Ab sofort werde ich nur noch feudal-schnippisch gucken, wenn mir jemand die hiesige Plörre (namentlich: Becks) vorsetzt. Vor allem auch deswegen, weil ich meine - vermutlich schon lange schlummernde - Vorliebe für einen ausgiebigen Malz-Geschmack geweckt habe. Angefixt wurde ich letztes Wochenende direkt vor Ort - genauer gesagt in Neumarkt, auf dem Bundesparteitag der Piraten. :)


Neben unserem selbstgemachten Chaos, auf das ich freilich noch zu sprechen komme, gab’s sonst keins. Deswegen nicht, weil sämtliche Aussagen, über chaotische Zustände auf Piraten-Veranstaltungen nicht (mehr ?) stimmen. (Bin ja erst seit wenigen Monaten dabei.) Es gibt für so ziemlich jede Eventualität irgendwas dazu in der Geschäftsordnung. Punkt. Zack. Abgehandelt. Fertig. Weiter. Das hat dazu geführt, dass wir jetzt ein nicht nur umfassendes, sondern auch schwer durchdachtes Wahlprogramm haben. Juchei!! Ihr könnt und solltet es hier nachlesen.

Und ja, "Umfassend", ist ganz insgesamt das Stichwort! Sprich: Nach dem ersten Tag waren Herr S. und ich schon einigermaßen fertig. Was nix außergewöhnliches ist, wenn man bedenkt, dass wir Freitag früh um 02:45h aufgestanden sind, um uns mit dem Hamburger Bus in Hannover treffen zu können. Um dann (zwar nicht praktisch, aber zumindest theoretisch) um 14h, pünktlich beim Bundesparteitag sein zu können, der dann um kurz vor 24h, und nachdem sechs Leute zusammengeklappt sind, den Hammer schlug und zur Nachtruhe rief. Am nächsten Tag ging's von 10h bis 22h und Sonntag von 9h bis 18h.

Das packt nur wer gesund und ausgeruht ist – am besten beides. Und nicht nur das: Ich z.B. musste mir außerdem den Freitag (Anreise) und Montag (Abreise) freinehmen. So ein Parteitag ist nämlich eine einigermaßen elitäre Angelegenheit: Mitmachen kann nur, wer in der Nähe wohnt, oder das Geld und die Zeit für die Reise hat, und keine anstrengende Woche vor oder hinter sich hat.

Speziell erschwerend kam diesmal hinzu, dass Neumarkt, eben Neumarkt ist: Die wenigen Hotel- und Hostelzimmer waren schon seit Monaten ausgebucht. Sprich Herr S. und ich mussten in Nürnberg übernachten – was uns jeden Tag etwa 2 ½h An- und Abreise gekostet hat. Plus: Vom Bahnhof in Neumarkt gab's auch keine öffentlichen Verkehrsmittel zur Halle. Wer also nicht gut zu Fuß (15 Minuten) war, musste entweder ein Taxi nehmen – oder aber zu Hause bleiben. Oder in einer angemieteten Turnhalle übernachten. Oder früher buchen. Oder eben zu Hause bleiben.

Anzukreiden ist das natürlich niemandem, erst recht nicht dem Orga-Team. Einen Ort zu finden, der für alle, oder wenigstens die allermeisten eine Teilnahme, sprich Mitbestimmung ermöglicht, dürfte schlicht unmöglich sein. Bei einer Partei, die aber nunmal damit wirbt, dass jeder mitbestimmen kann, kompromisslos. Um es mal im knallharten Politiker-Slang zu sagen. Wie außerordentlich praktisch also, dass auf der Tagesordnung ein Punkt stand, der genau das ändern wollte: Die SMV 

SMV heißt "Ständige Mitgliederversammlung" und bedeutet grob gesagt, dass der Parteitag ständig und immer stattfindet - im Internet. Der Ort, den die aller-allermeisten im Wohnzimmer und unterwegs bei sich haben, oder zumindest in jeder Kreisverbands-Geschäftsstelle zur Verfügung gestellt bekommen können - inklusive Bedienungs-Hilfe.

Denn: Bisher wird bei den Piraten zwar im Internet diskutiert und gearbeitet (die Wahlprogrammsanträge wurden z.B. z.T. in bundesweiten AG's über Mumble (Teamspeak-Software) und Liquid Feedback entwickelt) - aber eben nix entschieden. Das passiert auf den Parteitagen. Und deswegen sind die auch bis unter die Zähne vollgestopft. Und deswegen wirkt das auf den ersten Blick auch so chaotisch.

Ganz genau das sollte mit der Einführung einer SMV geändert werden. Es gab 14 verschiedene Anträge, die z.B. eine SMV mit oder ohne Personenwahlen, mit oder ohne Satzungsänderungen, mit oder ohne Delegationen, usw. zur Wahl gestellt haben. Es war kompliziert. Es gab Diskussionen, Abstimmungen in Blöcken und dann kleinteiliger - und dann haben wir keine 2/3-Mehrheit bekommen. Es fehlten gerade mal knapp über 20 Stimmen. Es gab Tränen, es gab Austritte. Leute, die extra für diese eine Abstimmung gar aus Norddeutschland angereist sind, sind umgehend wieder abgereist. Es herrschte Endzeitstimmung. Und auch ich hatte nicht schlecht Lust die Piraten Piraten sein zu lassen. Denn: Ihr erinnert euch ja vielleicht sogar: Das mit der Internet-Basisdemokratie war der einzige und alleinige Grund, warum ich in die Piraten-Partei eingetreten bin; warum ich überhaupt daran glaube, dass eine Partei wirklich Etwas und nachhaltig verändern kann.

Jedenfalls durchgekommen ist immerhin der Antrag oben links (SÄA003). Da geht es aber eher um so etwas, wie einen dezentralen Parteitag - und es hat was mit Urnen zu tun, die bewacht werden müssen, in vielen, wirklich vielen Geschäftsstellen. Ach. Und eventuell vielleicht, falls das nicht schlicht den finanziellen und personellen Rahmen der Piraten sprengt, kann die SMV-Abstimmung darüber wiederholt werden. Denn tragischerweise ist es nicht gerade unwahrscheinlich, dass die SMV eine mehr als breite Mehrheit in der Partei hat - die Leute konnten nur einfach nicht mitabstimmen.
  
Zur Erklärung: Die SMV-Gegner, sind nicht gleich generelle Gegner, sondern viele zweifeln schlicht an den aktuellen Möglichkeiten der Umsetzung: Mit dem großen Stichwort Datenschutz. Und rechtlich ist das Ganze. Tja. Es gibt halt nix dazu. Als die Parteiengesetze geschrieben wurden, gab's noch kein Internet. Sprich es gibt auch kein konkretes Gesetz dazu. Es ist kompliziert....

....das ist Neues immer. Ach. Na ja: Ich habe da so eine Macke: Ich frage mich bei meinen (politischen) Entscheidungen immer, ob ich damit später in den Geschichtsbüchern zu den Deppen gehöre. Also, zu den Deppen, die alles aufhalten: Wie die, die behauptet haben, die Geschwindigkeit der Eisenbahn macht die Menschen verrückt. Die dem Telefon keine Zukunft vorausgesagt haben, usw.... Mhmm.... Ich will damit nicht sagen, dass Fortschritt immer die richtige Lösung ist, und auch nicht, dass es bedeutet, die SMV-Gegner haben damit Unrecht, dass die bisherigen Tools nicht ausreichen, um eine vernünftig-praktikable SMV umzusetzten. Im Gegenteil. Das wird mit ziemlicher Sicherheit stimmen. Dennoch. Durch die Kinderkrankheiten müssen wir durch. Jetzt oder später oder nie. Gerne auch mit doppelten Boden: Vielleicht finden wir im Testlauf ja das beste Rezept für Käsekuchen.Wichtig ist, dass angefangen wird!

Jedenfalls und bevor ich vollends dramatisch werde und weil ich ja noch das selbstgemachte Chaos versprochen habe: Bleibt festzuhalten, dass sowohl der Busfahrer als auch ich demnächst wohl erstmal keine Navigations-Aufgaben mehr übernehmen werden. Ich deswegen nicht, weil ich zusammen mit meinem Handy, wenige Minuten bevor der letzte Zug von Neumarkt nach Nürnberg zu unser Unterkunft fuhr, mit den Worten „VERTRAU MIR!! Hier geht’s lang“ losgerannt bin – und nach wenigen Metern auf einer einigermaßen großen Wiese gelandet bin.

Der Busfahrer deswegen nicht, weil er seine Klein-Katastrophen bezüglich Weg und Funktionalität des Busses der Hin- und Rückfahrt darin gipfeln ließ, dass der Bus schlicht und ergreifend liegen blieb. Mitten in der Nacht. Mitten in der Pampa. Kurz vor Hamburg. Der Tank leer war. Tja. Herr S. und ich saßen zu diesem Zeitpunkt, zu unserem Glück, nicht mehr im Bus, sondern im Auto von Hannover nach Bremen. Wir sind mitgenommen worden. <3

P.S.: Nächste SMV-Chance: Der Parteitag in Bremen - vorraussichtlich im Dezember ;)

Dienstag, 7. Mai 2013

Spargel-Risotto

Da mein Balkon ja nun endlich wieder einen Sinn ergibt. Dachte ich mir gestern, ich koch für den Herrn S. und mich mal was, das wir ebenda essen können. Und da es sicher auch auf anderen Balkonen als den meinen klappt, hier das Rezept:

Ihr braucht (für 2 Personen):
200g Risotto-Reis
150-200 ml Weißwein
ca. 700ml Gemüsebrühe
(wer mag: 150g Fenchel)
ein paar Stangen Spargel
eine Schalotte
eine Knoblauchzehe
8 EL frisch geriebenen Parmesan
Olivenöl, Butter, Salz, Pfeffer
Und ein Salat gehört irgendwie auch dazu
 
Spargel schälen, kleinschneiden, salzen, gar kochen und beiseite stellen. Schalotte und Koblauch hacken. In etwas Olivenöl glasig dünsten. Risotto-Reis dazugeben, kurz mitanschwitzen lassen. Mit einem Schluck Weißwein ablöschen. Umrühren. Etwas Brühe dazu geben. Umrühren. Wieder etwas Weißwein. Umrühren. Brühe. Rühren. Wein. Rühren..... Wenn der Reis fertig ist, noch ein Stück Butter dazugeben. Parmesan und Spargel unterheben. Eventuell noch etwas salzen und pfeffern. Dann essen und idealerweise natürlich den restlichen Wein dazu trinken.


Dienstag, 23. April 2013

Der große Rücktritt

Zeit zu gehen. Jeder Abschied ist schwer. Und. Na: Es öffnen sich neue Türen. Tja.
Letztes Bild before

Das mag eventuell stimmen, nützt aber nix. Vornehmlich dann nicht, wenn ich zu Hause hocke und in Selbst-Sehnsuchts-Mitleid versumpfe. Weine. Dazu Wagner höre, um den ganzen Emotions-Cocktail figürlich werden zu lassen. Ich mich fühle, als wenn ich mir ein Bein, oder aber eigentlich gleich eine ganze Hälfte abgehackt hätte.

Denn:

Es ist so, vielleicht wisst ihr es auch schon: Ich war drei Jahre lang Vorsitzende der Jungen Opernfreunde Hamburg. Und bin generell schon etwa fünf Jahre dabei. Genau genommen seit dem aller-aller-ersten Treffen dieser Freunde. Erstmal gab's uns nur als lockeren Zusammenhang, der dies und das und jenes, wie Einführungen in die Opern, Vorstellungsbesuche, Führungen durch die Kulissen, Künstlergespräche, Workshops und was uns sonst noch so eingefallen ist, organisiert hat. Meistens, ja eigentlich immer und gerne zusammen mit der Hamburgischen Staatsoper (die ich bis in jede Pore liebe - im Übrigen).

Irgendwann wurden wir dann zum Verein. Ihr solltet Mitglied werden! Es gibt nebst netter Gesellschaft noch andere mega-mäßigen Vorteile! <3

Zu den Preisermäßigungen, etc. pp. kamen jedenfalls noch Kooperationen mit anderen Opernhäusern und -clubs. So dass ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Zeit auch in den Berliner Häusern, in Hannover, Bremen sowieso, aber auch in Bayreuth oder Salzburg verbracht habe. Und ja, um das Webefass mal vollends überschwipp-schwappen zu lassen: Wir bekommen in allen diesen Häusern regelmäßig Kartenkontingente. HURRA!

Nebst Werbung, will ich damit sagen: Fünf Jahre lang habe ich mich jeden, wirklich jeden Tag diesem Verein gewidmet. Oftmals bin ich 2x die Woche, oder sogar öfter nach Hamburg gefahren, habe telefoniert, gemailt, und ge-weiß-wast.... Womit ich nun endlich sagen will: Das war zu einem nicht gerade unerheblichen Teil mein Leben.

Und jetzt nicht mehr.

Die Entscheidung habe ich in einer Mischung aus Wollen- und Müssen-Faktoren getroffen. Natürlich nicht vorletzte Woche oder vorvorletzte, sondern schon vor Monaten. Erst verschwommen, dann deutlicher. Natürlich, weil es auch mal an der Zeit war, das Zepter weiterzugeben, aber vor allem aus persönlichen Lebensumständen, ja Lebensumständlichkeiten sogar, die mir nicht mehr die Zeit lassen, mich so zu kümmern, da zu sein, alles mitzukriegen, als dass ich diesen Posten auch nur annähernd weiter er- und befüllen könnte.

Es war also schon länger klar - auch den anderen, auch der Oper, auch mir - dass ich zurücktreten werde. Es war eigentlich nur noch eine Formalität am vorletzten Sonntag. Doch seitdem fühlt es sich wie ein schlimmer Fehler an. Vor allem aber, das Schlimmste ist: Eigentlich weiß ich nicht mal annähernd, womit ich diese Lücke füllen soll. Nicht die zeitliche Lücke - denn die gab es ja schon lange gar nicht mehr. Sondern die Bedeutung. Nicht zuletzt auch die Selbstbedeutung, die mir das alles gegeben hat - über so viele Jahre.

Mittwoch, 10. April 2013

Musik!

Es gibt so Clips.... Die, die schlicht totchic sind! Die, die ich immer wieder vorkrame. Sie mir zwei, drei oder auch zehnmal anschaue - bis erstmal wieder gut ist. Erstmal. - Bis zur nächsten Runde ;)